„Vom learning zum doing“ – so haben wir die Begegnungen mit unseren Ehemaligen Schülern überschrieben. Was hat ihnen die Schulzeit gebracht ? Wer oder was hat sie geprägt ? Wie verlief ihre berufliche Laufbahn ? Was können sie unseren heutigen Schülern mit auf den Weg geben ?
Auf solche Fragen erhofften wir uns Aufklärung und wir wurden nicht enttäuscht; jeder der Fünf hat ganz eigene Antworten gefunden.

Den Anfang machte gleich ein Doppel: PhD Johannes Maier  ( Abi ‚91), der jetzt als Kunstdozent (Film) an der University of East London arbeitet. Geprägt im Kunstunterricht von Peter Degendorfer, von seinem Mathe-Leistungskurs eher weniger. Er brachte den Schülern einige frühe Filmwerke ( sehr schräg) mit: eine Opernsängerin schmetterte aus voller Brust „Tatütata“, während im Hintergrund ein Polizeiauto mit Blaulicht vorbeifuhr. Oder ein großer Laienchor sang im sonst leeren Neckarstadion Fußball-Fan-Lieder, bis ein heftiges Gewitter die Runde auseinanderjagte. Kunst ? Aber ja ! Glaubt an euch, nehmt Hindernisse als Herausforderung, das war seine Botschaft. Die Zahl der Schüler, die nach diesem Vortrag den Weg eines Künstlers wird, war sicher größer als davor !

Am selben Tag ( 3.Juni) sprach vor dem Physik und Chemiekurs Dr. Philipp Mensch ( Abi 2005). Er wurde an der Schule besonders von Frau G. Schneider inspiriert  und studierte nach den Zivildienst an einer Schweizer Eliteuni ( ETH Zürich) Physik. Was bringt jemand , der sich in seinem Studium und in seiner Promotionszeit vor allem mit Solarzellen und Mikro-chips befasst hat, dazu, nun als Unternehmensberater in der Bain&Company zu arbeiten ?  Philipp Mensch war nie nur Naturwissenschaftler ( schließlich war er langjähriges Mitglied er Politik-AG !) . Seine jetzige Tätigkeit hat zwar direkt nichts mit dem Studium zu tun, doch es schadet nicht, wenn man als Berater, die technischen Abläufe eines Unternehmens begreift , so sein Fazit.

Prof. Gabriele Schaumann von der Universität Koblenz/Landau gehörte dem legendären Abi-Jahrgang ‚85 an – dem ersten Jahrgang, der seine gesamte Schulzeit am Wiblinger Gymnasium verbracht hatte. In dieser Zeit wurde sie vor allem von ihrem Chemielehrer M. Stüber geprägt. Er entzündete in ihr das Feuer für Chemie, das bis heute noch brennt – dies war in jeder Minute ihres Vortrags vor der 11. Jahrgangsstufe zu spüren. „Wir wühlen im Dreck“ , der, so Frau Schaumann, ein faszinierender Gegenstand ist. Sie stellte ihren beruflichen Werdegang immer wieder in Form einer Kurve dar, in der es viele Aufs und Abs gab. Manch ein Zuhörer wurde nachdenklich, als er erfuhr, wie viele Jahre es gedauert hat, bis es endlich eine unbefristete Anstellung gab !Nun aber forscht sie begeistert an der Schnittstelle von Biologie und Chemie, untersucht die Auswirkung von Schadstoffen im Boden und auch der so modernen Nanopartikel.

Noch ein Professor – Dr. Olaf Rank aus dem fruchtbaren Abijahrgang ’91. Auch er hatte – wie quasi alle unsere Referenten – keinen stromlinienförmigen Bildungsgang. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann, bevor er gleich zwei Studien begann: Musik ( Gesang) und Betriebswirtschaftslehre. Erst nach 4 Semestern entschied er sich schließlich für das „solide“ Fach. Ob er es in Musik auch zum Direktor eines Universitären Seminars an der Uni Freiburg gebracht hätte ?
In seinem Vortrag gab er den J11ern einen Einblick in den Aufbau einer Universität und eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiengangs. Und ganz nebenbei nahm er in seiner lockeren Art den Schülern die Angst und die Ehrfurcht vor einem richtigen Professor. Auch dass ein Geschichte-Leistungskurs bei so einer beeindruckenden Laufbahn nicht schadet, konnte man mitnehmen.
Olaf Rank

Den Abschluss bildete am 8. Juli Andreas Buchenscheit ( Abi 01 ?), der die Jahrgangsstufe 10 zum Staunen brachte. Staunen  darüber, was man alles in ein junges Leben packen kann.
Mit 18 Jahren schon den Facebook-Vorgänger „team ulm“ gegründet. Nach dem Abi Rettungsassistent, Medizin-Studium – abgebrochen, Medieninformatik angefangen und glänzend abgeschlossen, in einer Band gespielt, Auslandsaufenthalte in London, Stanford /Kalifornien, Tokio, Pilotenlizenz, Gründung und Organisation eines Musical-Vereins mit P. Franz,  Lehrbeauftragter an der Uni Ulm , heute Chef des mittelständischen IT-Unternehmens Cortex-Media … Die Aufzählung ist weder vollständig noch streng chronologisch. Besondere Kennzeichen: Andreas Buchenscheit hat sich immer wieder die Freiheit genommen, sich eine Auszeit zu nehmen und etwas ganz Anderes zu machen, etwas ganz für sich. Und er hat auch nie seine menschlich-soziale Seite vergessen: er ist heute noch im Roten Kreuz aktiv. Standig ovations …
A Buchenscheit

Wenn man versucht, Gemeinsamkeiten unter diesen so unterschiedlichen „Ehemaligen“ zu finden, dann ist es vielleicht dieses: Die meisten haben nicht gleich ihren Weg gefunden, haben Doppelstrategien und auch Sackgassen befahren. Aber dann haben sie nicht „Karriere gemacht“ sondern sind ihrer inneren Stimme gefolgt, haben darauf geachtet, was ihnen Freude macht. Diesen Weg sind sie dann engagiert , zäh und sehr erfolgreich gegangen.

Zur Nachahmung empfohlen !

Hermann Schmidt
(demnächst auch ein Ehemaliger …)