Schüler der 12a von Fr. Fahrenschon versuchen, eine Antwort zu finden

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichnete die Führung der deutschen Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation. Hitler hatte sich zuvor am 30. April selbst getötet. Von den zwölf Jahren NS-Diktatur waren sechs Jahre Krieg. Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939, als deutsche Truppen ohne Kriegserklärung Polen angriffen und wurde 1941 mit dem japanischen Luftangriff auf die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbor zum Weltkrieg. Insgesamt forderte er 55 Millionen Menschen das Leben, darunter Zivilisten und 2,1 Mio. Flucht- und Vertreibungsopfer. Ungefähr 6 Millionen Menschen wurden in Konzentrationslagern ermordet.

In Asien endete der Zweite Weltkrieg erst im September 1945 nach dem Abwurf der Atombomben durch die USA auf Hiroshima und Nagasaki.

Warum soll ich trauern?

Eine 18-jährige Schülerin aus Niedersachsen schrieb dieses Gedicht (um 1995)

Warum soll ich trauern?
Was geht mich das an?
Wer sind die Opfer des Krieges?
Ich kenne sie nicht.

Ich bin jung, mir steht das Leben offen.
Warum soll ich da zurückschauen?
Meine Zukunft liegt doch nicht in
der Vergangenheit.

Ich habe keinen, den ich betrauern muss.
Wer sind die Opfer des Krieges?
Ich kenne sie nicht.

Die Toten sollen mahnen.
Wen? Mich?
Ich bin nicht dabei gewesen.
Was geht mich das an?

Zit. Nach Michael Wermke (Hg.): Die Gegenwart des Holocaust – „Erinnerung“ als religionspädagogische Herausforderung. Münster 19987, S. 1.

 

Liebe Schülerin,

vor kurzem habe ich dein Gedicht „Warum soll ich trauern?“ gelesen. Dazu muss ich sagen, dass du mit einigen Sachen durchaus Recht hast. Es stimmt, dass wir die Opfer nicht kennen, auch dass uns die Vergangenheit nicht in unserer Zukunft voranbringt. Und ja, wie soll man trauern, wenn es nur Unbekannte waren? Trotzdem geht uns die Vergangenheit mit all den Kriegen und Toten etwas an. Wenn wir davon lernen, dann nur zu unserem Besten, denn wir tragen dazu bei, dass so etwas nie wieder passieren kann. Die Toten sollen uns mahnen und zeigen, was die Folgen sein können. Und selbst wenn du meinst, dass dich das nichts angeht, denke ich, willst du keine sein, die so etwas erlebt. Außerdem wirst du auch nicht dazu gezwungen, zu trauern, dennoch solltest du so viel Anstand besitzen, den Toten Respekt zu erweisen. Vielleicht denkst du nochmal über deine Einstellung nach.

Viele Grüße

Julia Steinert

 

Liebe Schülerin,

wir haben dein Gedicht „Warum soll ich trauern?“ im Geschichtsunterricht gelesen. Meine Meinung dazu ist gespalten. Zum einen bin ich etwas geschockt, wie wenig Respekt Du gegenüber all den Toten hast, wie sie Dir nahezu gleichgültig sind. Ich finde es auch ein wenig egoistisch, wie Du nur Dein eigenes Leben im Blick hast und Dich die Vergangenheit nur wenig oder gar nicht interessiert. Zum anderen kann ich Deine Gedanken aber gut nachvollziehen. Für uns ist es schwierig, sich mit weit Vergangenem zu identifizieren oder uns dafür zu interessieren. Wir denken uns, dass uns das von damals nicht mehr betrifft. Stimmt aber nicht. Alles, was wir heute sind und war wir haben, ist das Ergebnis unserer Vergangenheit. Wir wären heute nicht die, die wir sind, wenn in unserer Vergangenheit etwas anders verlaufen wäre. Vielleicht überlegst Du Dir nochmal, ob Dir die Opfer wirklich vollkommen egal sind, oder ob Du vielleicht froh bist, dass nicht Du zu denjenigen gehörst.

Es grüßt

Felix Birk

 

Hallo,

niemand zwingt dich dazu, um die Opfer zu trauern. Es mag sein, dass niemand aus deiner Familie darunter leiden musste, aber es gab Menschen, die darunter litten und auch mit ihrem Leben aufgrund ihrer Rasse und Herkunft zahlen mussten. Aus menschlichen Gründen bist du aber dazu verpflichtet, situationsgerecht die Angehörigen der Opfer zu behandeln. Es ist unter der Menschenwürde, solche Geschehnisse zu ignorieren oder sie sogar als unwichtig zu bezeichnen. Man lernt aus der Vergangenheit. Es gibt keinen Grund, wichtige Ereignisse der Geschichte mit „Was geht mich das an?“ zu kommentieren.

Liebe Grüße

Bilal Yusuf Sen