Albert-Einstein-Gymnasium Ulm
Montag, den 23.01.2017
3./4. und 5./6. Stunde
Mu 1

Pflichtveranstaltung für die Abiturienten der Klasse 12

Das  THEATERmobileSPIELE ist ein freies, in Karlsruhe ansässiges  und in ganz Baden-Württemberg agierendes Profi-Theater, das sich ausschließlich mobilen Theaterproduktionen widmet. Ein künstlerisches Aufgabenfeld ist dabei das Klassen-zimmertheater.

Klassenzimmertheater meint, dass die Zuschauer – in diesem Fall Schüler – nicht zum Theater kommen, sondern umgekehrt das Theater in die Schule, das Klassenzimmer kommt. An unserem Gymnasium ist nun bereits zum 7. Male zu Gast.

Dabei sucht das Theater immer die intime, weil den Schülern sehr nahe Spielsituation.

Und nahe ist es sowohl physisch als auch psychisch, da es im gewohnten Umfeld der Schüler auftritt. Diese besondere Spielsituation ist im Sinne von ästhetischer Bildung bestens dafür geeignet, einen ge- und bewohnten funktionalen Alltagsraum mit neuen Blickwinkeln auf Welt aufzuladen, mit Phantasie in einen fiktionalen Raum zu verwandeln, als einen möglichen Ort für Geschichte(n) „erscheinen“ zu lassen.

 

In der Inszenierung büchner.die welt.ein riss. nehmen wir Büchners quasi-dokumentarische Arbeitsweise als methodischen Ausgangspunkt und wenden sie auf ihn selbst an: Reale gesellschaftliche (auch biographische) Verhältnisse und historische sowie literarische Quellen waren für Büchner immer der Anlass für sein Schreiben, das Material, aus dem er seine so klare Ästhetik destillierte. Hier geht es uns nun darum, anhand von Briefen und Passagen aus seinen Werken, die wir miteinander korrespondierend und kommunizierend gegen- und nebeneinanderstellen, eine vielschichtige theatrale Textur entstehen zu lassen (analog zu Büchners vielschichtigen AnSpielungen). Sinnlich und emotional erfahrbar für die Schüler soll sie den geistigen Horizont Büchners ausloten, Fragen aufwerfen und Räume öffnen – jenseits der Fraktur germanistischer Debatten, die immer noch um Eindeutigkeiten ringen, die bei Büchner nur kaleidoskopisch auszumachen sind. Und das macht ja das Faszinosum Büchner aus.

Dabei ist dieser Theaterarbeit immer wichtig, das herauszuarbeiten, was in Büchners Schreiben sowohl allgemein gültige menschliche Themen sind, als auch den Bezug zu heute mitschwingen, anklingen zu lassen, ohne platt tagesaktuell zu tönen. Insofern übernimmt der poltisch-menschliche Diskurs von DANTON eine zentrale Rolle in dieser Inszenierung.

Dazu sitzen die Schüler zwei bis drei Meter von dem hochintensiv spielenden Profischauspieler entfernt, was in dieser Intimität auch immer sehr sensible Spielmomente UND einen feinen Magnetismus im Spieler-Zuschauer-Kontakt ermöglicht.

Vor dem Hintergrund dessen, was ästhetische Bildung meint, ist es für uns darüber hinaus entscheidend, die Schüler mit BühnenSprache (Theatersemiotik) vertraut zu machen, auch zu konfrontieren. Daher findet im Anschluss an jede Vorstellung ein Nachgespräch mit Schauspieler und Regisseur statt, das offen ist für alle Fragen zu Büchner, zum Gesehenen oder dem Themenfeld Theater.

Im Anschluss an die Aufführung gibt es die Möglichkeit für ein Nachgespräch mit Schauspieler und Regisseur, das offen ist für Fragen, Kritik und Diskussion sowohl zur Inszenierung selbst, aber auch zum gesamten Themenfeld „Theater“.

 

Georgios Tzitzikos, Schauspieler. 1976 in Athen geboren, wuchs im sonnigen Baden auf und begann schon in der Jugend Schauspiel– und Gesangsunterricht zu nehmen.

Nach dem Abitur studierte er verschiedene Philologien, bis er sich entschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen. 2001 begann  er das Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich, das er 2005 mit Diplom abschloss. Nach einem zweijährigen Engagement in Leipzig, ist er seit 2007 freischaffender Schauspieler und hat schon an verschiedenen Theatern der Republik gespielt. Daneben ist er auch Sprecher für den Fernsehkanal ARTE.

Silvia Maradea, Bühnenbildnerin/Kostümbildnerin. 

Thorsten Kreilos, Regisseur. 1965 in Marburg/Lahn geboren. Studium der Theaterwissenschaft und Philosophie in München. Regieausbildung an der Theaterakademie „Spielstatt Ulm“. Regieassistent am Wolfgang-Borchert-Theater, Münster und Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel. Seit 2000 freiberuflicher Regisseur. Inszenierte u.a.  am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel, am Stadttheater Gießen, Jakobustheater Karlsruhe, Kulturhaus Osterfeld Pforzheim, Theater für Niedersachsen (TfN) Hildesheim.  Thorsten Kreilos lebt derzeit in Karlsruhe. Gründer des THEATERmobileSPIELE.