Viele haben sie schon von außen gesehen und sind an ihr vorbeigelaufen – am Donnerstag, den 11.05.2017 war sie für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 Zielort einer  Exkursion: die Synagoge am Weinhof.

Rabbiner Shneur Trebnik informierte zunächst über die wechselvolle Geschichte der Ulmer Juden und die Bedeutung des Ortes. Die Wurzeln der jüdischen Gemeinde in Ulm reichen bis ins Mittelalter zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde durch den Zustrom von Familien aus jüdischen Landgemeinden auf knapp 700 Personen an. Die Ulmer Juden nahmen rege am öffentlichen Leben der Stadt teil und brachten einige bedeutende Persönlichkeiten hervor u.a. Albert Einstein. Genau auf der Straßenseite gegenüber der heutigen Synagoge stand bereits eine Synagoge, die jedoch im Zuge der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört wurde. Nach Kriegsende lebte gerade mal eine Handvoll Juden in Ulm. 1989/90 kamen zahlreiche russische Juden nach Ulm und es gab wieder ein nennenswertes jüdisches Leben in der Stadt. Heute zählen rund 500 Mitglieder zur jüdischen Gemeinde.


Auffallend an der heutigen Synagoge ist die Architektur des Gebetsraums, der, dem Brauch entsprechend, Richtung Jerusalem ausgerichtet ist. Vor dem Jerusalem-Fenster befindet sich das Heiligste, der Toraschrein, hinter dessen Vorhang sich die Torarolle befindet. Auch wenn die Schülerinnen und Schüler sichtlich neugierig waren, ließ Herr Trebnik den Vorhang zu, denn die Tora wird nur an besonderen Feiertagen entrollt. Die Männer sitzen in der Ulmer Synagoge im größeren Raum unten, die Frauen auf der Empore. Die Trennung erklärte der Rabbiner mit einem Vergleich aus der Schule: „Wenn Freunde nebeneinander sitzen, schwätzen sie miteinander. Das stört den Unterricht. Deshalb trennen wir die Männer von ihren Frauen. So kann sich jeder auf sein Gebet konzentrieren.“

Herr Trebnik nahm sich viel Zeit für Fragen und erklärte jüdische Feste und Traditionen. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen bezeichnete er die Synagoge als ein „offenes Haus“.  Davon konnte sich die Religionsgruppe des Albert-Einstein-Gymnasiums persönlich überzeugen.

Keinath / Dr. M. Koch
Evang. Religion