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„Eviva España“ schallt es durch den Bus, als nach 14 Stunden Fahrt endlich die spanische Grenze überschritten wird. So beginnt eine unvergessliche Woche im Land der Stierkämpfe und Tapas, des unerschöpflichen Sonnenscheins und feurigen Flamencos.

Unser Hotel „Don Juan“ mit zentraler Lage in Tossa de Mar bot nicht nur einen Pool auf dem Dach, sondern wartete auch mit grandiosen Büffets zum Frühstück und Abendessen auf. Nur bei der Zimmerverteilung gab es anfangs Schwierigkeiten – wir sind schließlich Biologen und keine Mathematiker.

Gemäß des Titels „Studienfahrt“ haben sich die begleitenden Lehrer Hr. Knoblauch, Fr. Vöhringer und Fr. Acksteiner ein volles Programm überlegt. Dazu ergänzten die Schüler in zahlreichen Kurzvorträgen wichtige Theorie zur Praxis.

Während einer fünfstündigen Bergwanderung konnten wir nicht nur Korkeichen und Skorpione finden, sondern auch noch am Gipfel die atemberaubende Aussicht genießen. Der Muskelkater der folgenden Tage war es auf jeden Fall wert. Und wie hätte man die Chance verpassen können, im Meer zu schnorcheln und zu tauchen? Neben der faszinierenden Unterwasserwelt mit ihren skurrilen Felsen, durch deren Schatten sich elegant Fischschwärme wanden, die es zu entdecken galt, ließen Funde von Seepocken, Napfschnecken und Einsiedlerkrebsen das Biologen-Herz höher schlagen.

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Eine Tiergruppe hatte es uns besonders angetan: Seeigel. Nicht nur wurden sie von allen Seiten betrachtet, nein, wir sind weitergegangen. Was passiert mit Seeigeln, die mit Kaliumchlorid beträufelt werden? Sie werden „geil“. Die Keimzellen, die sie aussonderten, wurden gesammelt und anschließend die Eizellen mit den Spermien zusammengeführt. Auch wenn (oder gerade weil) die Befruchtung nicht wie erhofft geklappt hat, wendeten wir uns von der Entstehung neuen Lebens ab und widmeten uns stattdessen der Entstehung aller Lebensformen.

Hierzu statteten wir dem Botanischen Garten in Blanes einen Besuch ab, wo unter anderem Evolutionsforschung betrieben wird. Auf dem Rückweg hatten wir sogar die Möglichkeit während einer Bootstour durch den gläsernen Boden Meerestiere unter unseren Füßen zu beobachten.

Neben einer reichen Flora und Fauna bietet Katalonien auch einen reichen Kulturschatz, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Beispielsweise war es unmöglich, nach Barcelona zu fahren, ohne die weltberühmte Sagrada Familia zu besichtigen. Wer die Basilika selbst bereits gesehen hat, weiß, Worte reichen nicht, um zu schildern, wie eindrucksvoll und überwältigend sie ist. Sei es die Detailliebe der Geburtsfassade, die Groteskheit der Passionsfassade oder das unvergessliche Farbenspiel im Innenraum. Der Architekt Antonio Gaudí sah die Natur als vollkommen und nahm sie zum Vorbild für sein Lebenswerk, das noch 100 Jahre nach seinem Tod unvollendet bleiben sollte. Als Biologen haben wir nur Verständnis für die Natur-Begeisterung dieses Genies.

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Bei unserem zweiten Ausflug in die Hauptstadt Kataloniens schlüsselte uns ein sympathischer und gewitzter Reiseleiter mit einem unaussprechlichen Namen verschiedenste Facetten der Stadt auf. Während wir bequem im Bus saßen, erfuhren wir mehr über Kultur, Geschichte, Kunst und Architektur der Metropole. Für die Sportbegeisterten gab es sogar einen kurzen Abstecher zum Camp Nou, das größte Stadion Europas, in dem der FC Barcelona seine Heimspiele austrägt.

Als Highlight am Ende des Tages wohnten wir den weltberühmten Licht- und Wasserspielen Barcelonas bei. Bemüht, einen möglichst guten Platz zu ergattern, mischten wir uns unter die Massen, die sich um den überdimensionalen Springbrunnen am Schloss versammelt hatten. Die Nacht wurde erleuchtet von bunten Lichtern, die die Wasserstrahlen in allen Farben erstrahlen ließen. In beeindruckender, delikater Komposition tanzten die Wasserstrahlen zu traditioneller und klassischer, aber auch zu Pop- und Filmmusik. Die Luft war erfüllt von feinem Sprühregen und dem erstaunten Rufen der Bewunderer.

Trotz des vollen Programms kam die Freizeit nicht zu kurz. In Tossa de Mar, eingebettet zwischen einer Burg, deren Mauern über der Stadt thronen, drei Buchten mit hohen Felsklippen und dem tiefblauen Mittelmeer, gab es genug Möglichkeiten zum Spazieren, Flanieren und Shoppen. Auch in Barcelona hatten wir genug Zeit, um in der Markthalle leckeren Fruchtsaft zu probieren und in den unzähligen Shops der Rambla den Geldbeutel zu erleichtern.

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Sogar zum Tanzen kamen wir. Obwohl wir abends im Hotel den Altersdurschnitt erheblich senkten, hatten wir unseren Spaß (Man bedenke den göttlichen Anblick der Lehrer, die versuchen, den Anweisungen des DJs auf spanisch zu folgen!). Wollte man lieber professionellen Tänzern zuschauen, bot das Hotel auch noch eine hauseigene Flamenco-Show. Es war einmalig, den temperamentvollen Tanz mit den markanten Röcken, der spanischen Musik und den energetischen Schrittfolgen live zu erleben.

Auf der Heimfahrt machten wir noch einen letzten Zwischenstopp in Figueres, wo Salvador Dalí eine Mischung aus Theater und Museum zurückgelassen hatte. Der spanische Künstler schafft es auf einzigartige Weise Surreales in Skulpturen, Malereien, Zeichnungen und Arrangements mit bestechender Simplizität höchst absurd darzustellen. Bei diesem Genie fragt man sich, ob er über grenzenlose Fantasie verfügte oder, ob er schlichtweg verrückt war – vermutlich ein bisschen von beidem.

Um halb fünf morgens kamen wir nach einer Busfahrt, die 1½ Stunden kürzer als geplant war, in Ulm an. Ein großer Dank gilt unseren beiden Busfahrern Stefan und Mike, die uns während unserer Reise begleitet haben und uns wohlbehalten wieder nach Hause gebracht haben. Außerdem verdienen auch unsere drei Lehrer vollsten Respekt: Wir waren nicht gerade einfache Schützlinge. Zum Glück haben sie nicht nur Nerven aus Stahl, sondern auch noch einen unerschütterlichen Humor.

Auch wenn manches nicht reibungslos verlaufen ist, kann man doch sagen: „Unsere Studienfahrt war unvergesslich!“

Anna Liu